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Von: Silvia Zapke am 15. August 2018 In: Erfolgsfaktoren, Projektmanagement Comments: 0

Wir schreiben das Jahr 1873. Der britische Klipper „Cutty Sark“ ist auf dem Rückweg von China nach England. An Bord sind 30 Mann und eine Ladung voll Tee. Mitten im Indischen Ozean nach einem schweren Sturm bricht ein heftiger Streit zwischen zwei Seemännern aus. Es geht um Rum. Der Schotte Scott Mc Neal beobachtet wie sein irischer Kamerad Edmund Tailor immer wieder unter Deck verschwindet. Er vermutet, dass der Ire still und heimlich die begrenzten Rum-Vorräte plündert. Der Weg zurück nach England dauert noch fast 3 Monate. Für die Männer ist es undenkbar mehrere Wochen ohne Rum auszukommen. Scott stellt Edmund zur Rede. Kapitän Moodie bekommt Wind davon und kann den heftigen Schlagabtausch – Prügelei eingeschlossen – gerade noch ohne blutige Nasen beenden.

Was macht der Kapitän in dieser Situation. Wie löst er diesen Konflikt in seiner Mannschaft? Klar ist, die Rum-Vorräte sind begrenzt. Unterwegs gibt es keine Möglichkeit einen Hafen anzulaufen und Rum nachzubunkern. Er weiss nicht, was wirklich passiert ist. Er kennt beide schon seit vielen Jahren, Edmund Tailor ist ein begnadeter Bootsmann, repariert alles an Deck zu jeder Tages- und Nachtzeit. Scott Mc Neal ist der beste Koch, den er je an Bord hatte, verpflegt die Mannschaft mit leckeren Speisen. Der Kapitän kann und will auf keinen der beiden Seemänner verzichten. Zudem können sie sich an Bord eh nicht aus dem Weg gehen. Sie müssen den Konflikt lösen.

Konfliktlösung durch Macht, Gesetz und Konsens

Von den drei möglichen Konfliktregelungsmodellen (Macht, Gesetz, Konsens) kommt für den Kapitän lediglich ein Modell in Frage: die zwei Streithähne müssen miteinander reden und den Konflikt eigenverantwortlich regeln. Er will das die Seeleute sich einigen (Konsens). Und das so schnell wie möglich. Erst einmal hat er den Streit mit einem Machtwort beendet, aber das reicht ihm nicht. Er tut gut daran in dieser Situation diesen Weg zu wählen.

Als Kapitän könnte er in seiner Rolle auch einfach verbal den Konflikt für beendet erklären und Konsequenzen androhen, wenn der Streit wieder aufflammt (Konfliktregelungsmodell = Macht). Die Gefahr besteht, dass Bootsmann und Koch sich hinter seinem Rücken weiterhin bekriegen. Denn der Konflikt ist nicht einfach beendet, wenn ein Vorgesetzter das beschließt. Alternativ könnte er sich in die Rolle eines Richters begeben, sich den Fall von beiden Seiten schildern lassen und selbst eine Entscheidung fällen (Konfliktregelungsmodell = Gesetz). Hiermit ist das Risiko verbunden, dass er sich mit seinem Urteil auf eine der beiden Seiten schlägt und damit möglicherweise die Loyalität des anderen Seemanns verliert. In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass die Autorität des Kapitäns darunter leidet.

Für den Kapitän ist ein solcher Streit vergleichbar mit einem Leck im Schiff. Er kann es provisorisch stopfen, aber wenn er nicht sehr schnell die Ursache findet, kann es passieren, dass das Leck immer wieder auftritt. Es besteht damit eine reale Gefahr für Mannschaft und Schiff.

Von der Konfrontation zur Kooperation mit Hilfe eines Mediators

Wie unterstützt er die Konfliktlösung durch die beiden Seemänner? Er stellt wie ein Mediator in der heutigen Zeit die Rahmenbedingungen her, damit die beiden Streithähne eine Lösung des Konfliktes finden. Mediation geht davon aus, dass die Konfliktparteien selbst am besten geeignet sind eine Lösung Ihres Problems zu finden. Der Konflikt blockiert allerdings gerade den Zugang zu Ihren eigenen Kompetenzen, so eine Klärung herbei zu führen. Es braucht eine Struktur, die das Gespräch zwischen den Medianten (Streitparteien) regelt und stabilisiert.

Da er als Kapitän nicht als unabhängiger Dritter fungieren kann – denn er ist als Vorgesetzter beteiligt, bittet der den Doktor an Bord die Rolle des Mediators zu übernehmen. Das Vorgehen sorgt dafür, dass die „Konflikt-Knoten“ gelöst werden, auf beiden Seiten das Verständnis von sich selbst, dem anderen und der Konfliktsituation entsteht und daraus eine sinnvolle Regelung für beide Seemänner sichtbar wird. Am Ende zurrt eine Vereinbarung die Knoten wieder fest. Auf diese Art und Weise gelingt auf der Cutty Sark der Schritt von der Konfrontation zur Kooperation.

Wer glaubt, dass Mediationen zwangsläufig langwierige Verfahren sind, der irrt. Knoten können sich auch deutlich schneller lösen. Das hängt maßgeblich von der Kompetenz des neutralen Dritten und vom Leidensdruck auf Seiten der beteiligten Streitparteien ab. Auch die Lösungen, die die Konfliktparteien finden, sind nicht vorhersehbar und so vielfältig wie wir selbst. Scott und Edmund haben den Streit geklärt. Edmund hatte hinter den Fässern Rum einen blinden, vierbeinigen Passagier versteckt.

Bei NOVEDAS finden Sie übrigens nicht nur erfahrene, hochseeerprobte Projektleiter mit Mediations-Know-How sondern auch ebenso erfahrene Mediator*innen.

 

Silvia Zapke, Senior Projektmanagerin, ist ehrenamtliches Stammcrew Mitglied auf der Dreimastbark Alexander von Humbold II und Wirtschaftsmediatorin.

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