05Jan

Die Probleme komplexer Supply-Chains

Das Supply-Chain-Management (SCM) umfasst die Planung und die Koordination der Lieferkette in ihrer Gesamtheit. Für die Herstellung und die Auslieferung von Produkten an die Endkunden sind dabei eine Vielzahl von direkten und indirekten Lieferanten, Logistikunternehmen, Händler, etc. in den Lieferkettenprozess involviert. Gerade bei global agierenden Unternehmen mit komplexen Produkten sind dabei sehr gerne auch mehrere Tausend verschiedene Parteien über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg an der Supply-Chain beteiligt, was eine sehr hohe Komplexität mit sich bringt.

Die Prozesse innerhalb der Lieferkette sind sehr genau aufeinander abgestimmt mit dem Ziel, die jeweiligen Waren möglichst effizient an den Endkunden zu bringen und deren Wert dabei zu erhalten. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die damit verbundenen Geld- und Informationsflüsse zwischen den beteiligten Parteien. Diese sollen natürlich ebenfalls so effizient wie nur möglich gestaltet werden.

Normalerweise ist das auch der Fall. Problematisch wird es, wenn etwas Außerplanmäßiges passiert. Sei es, dass eine Ware im Lieferkettenprozess verloren geht, beschädigt oder gefälscht wird oder eine Rückrufaktion gestartet wird.

Dann ist es oft sehr schwierig und zeitaufwändig die Ware nachzuverfolgen und herauszufinden, wo innerhalb der Lieferkette die Ware z.B. verloren gegangen ist. Dies liegt daran, dass üblicherweise jede Partei ihre eigenen Lieferkettendaten pflegt und die Ware auch nachverfolgt. Das führt dazu, dass der Datenbestand zu einer bestimmten Ware in aller Regel fragmentiert bei den beteiligten Parteien vorliegt und es keinen, den ganzen Lieferkettenprozess umfassenden, Datenbestand gibt, der für jedermann verfügbar und nachvollziehbar ist. So kommt es oft dazu, dass im Falle des o.g. Warenverlustes mit ineffizienten Kommunikationsmethoden (z.B. E-Mail, Telefon) versucht wird, das Objekt ausfindig zu machen. Das kostet viel Zeit und ist somit auch teuer bzw. die Endkunden müssen mitunter sehr lange auf ihre Bestellung warten.

Ein weiteres Problem ist die oftmals fehlende Transparenz bei z.B. Rohstofflieferanten. In vielen Verträgen ist festgelegt, nach welchen Kriterien Rohstoffe gewonnen werden sollen. Die Einhaltung dieser Kriterien kann man sich zwar von den Lieferanten bestätigen lassen, nur müssen diese Angaben nicht zwangsläufig stimmen. Es setzt also ein gewisses Vertrauen zwischen den Vertragsparteien voraus oder Kontrollen, was wiederum sehr aufwändig ist.

Hier wurden also zwei Schwächen komplexer Lieferketten aufgezeigt, zum einen die fehlende Transparenz und damit Nachverfolgbarkeit eben dieser Lieferketten und zum anderen das vorausgesetzte Maß an Vertrauen, was Vertragspartnern innerhalb der Supply-Chain zueinander haben müssen.

Die vertrauenslose nachvollziehbare Alternative

Genau bei diesen o.g. genannten Problemen kommt die Blockchain ins Spiel. Diese ist eine Form der Datenhaltung in einem Netzwerk, bei welcher jede Partei im Netzwerk die gesamte sowie dieselbe Information besitzt. Dabei ist es nicht notwendig, dass sich die Netzwerkteilnehmer untereinander vertrauen.

Aber wie funktioniert das?

Das Vertrauen wird bei der Blockchain durch ein Zusammenspiel kryptographischer Verfahren ersetzt. Diese stellen sicher, dass Informationen im gemeinsamen Datenbestand eines Netzwerkes (den jede Partei besitzt) nur hinzugefügt, nicht aber nachträglich verändert oder gelöscht werden können. Wohldurchdachte Konsensprotokolle sorgen dafür, dass alle Parteien denselben Datenbestand haben, es also nur eine „Quelle der Wahrheit“ gibt.

In der Praxis wird dabei einer Ware aus der realen Welt eine digitale Identität in Form einer eindeutigen ID auf der Blockchain verpasst, wodurch es möglich ist, die Ware zu identifizieren und alle, mit ihr verbundenen Transaktionen nachzuvollziehen. Die Verbindung zur realen Welt wird damit geschaffen, in dem die erwähnte ID auch mit dem Produkt selbst verbunden wird. Dies kann z.B. in Form von RFID-tags oder QR-Codes geschehen. So können, je nach Art der Ware, die benötigten Lieferkettendaten generiert, aufgezeichnet und in die Blockchain geschrieben werden. Wie bereits erwähnt werden die Daten an alle Teilnehmer des Netzwerks übermittelt, so dass alle über den gleichen Informationsstand verfügen.

Damit können vom Lieferanten bis zum Endkunden alle Netzwerkteilnehmer in Echtzeit die Daten nachverfolgen und bekommen immer eine Antwort auf folgende beispielhafte Fragen:

  • In wessen Besitz befindet sich die Ware zurzeit?
  • In welchem Zustand befindet sich die Ware?
  • Welche Zahlungsinformationen liegen im Zusammenhang mit der Ware vor?
  • Welchen Umgebungseinflüssen war die Ware über ihren gesamten Lifecycle ausgesetzt?

Die Blockchain in Verbindung mit anderen Technologien (IoT)adressiert also genau die genannten Lieferkettenprobleme der fehlenden Nachvollziehbarkeit und dem notwendigen Vertrauen zwischen den Parteien.

Welche Chancen ergeben sich dadurch?

Die Verwendung einer geeigneten Blockchain ermöglicht eine sichere Kollaboration von Vertragspartnern innerhalb der Lieferkette, ohne dass sich diese Parteien gegenseitig Vertrauen müssen. Dafür sorgt die kryptographische Sicherheit der Blockchain. Das wiederum bietet auch die Chance der Entstehung neuer Kollaboration zwischen vielen neuen Geschäftspartnern.

Durch die ständige Transparenz und Nachverfolgbarkeit der Blockchain sind alle Transaktion im Zusammenhang eines Produktes für alle einsehbar, was zum einen die Zeit- und Kosteneffizienz beim Wertetransfer und Informationsfluss erhöht und so die Lieferkette besser getrackt werden kann. Weiterhin wird so die Gefahr von Fälschungen und Betrug minimiert. Wird ein entsprechendes Produkt mit einem Tag versehen, kann so über den gesamten Lifecycle dessen Echtheit nachgewiesen werden.

Aufgrund der Dezentralität der Blockchain und damit auch der verteilten Informationsverarbeitung (niemand hat die alleinige Datenhoheit) werden sowohl Engpässe im Netzwerk vermieden als auch die Ausfallsicherheit gewährleistet. Es ist der Blockchain egal, ob einige Netzwerkknoten nicht erreichbar sind, da jeder Knoten für sich selbst den gesamten Datenbestand hält.

Die Blockchain ist also aus den o.g. genannten Gründen ein geeigneter Kandidat für die Umsetzung der Datenstruktur für komplexe Supply-Chains. Herkömmliche zentrale Formen, wie Datenbanksysteme und Cloud-Architekturen werden natürlich auch weiterhin für die Datenhaltung von Lieferkettendaten Verwendung finden. Dies ist nicht zuletzt dem geschuldet, dass die Blockchain-Technologie immer noch recht jung und die Integration in die Unternehmensarchitektur recht aufwändig ist.

Jedoch ist es für Unternehmen mit komplexen, globalen Lieferketten sicherlich kein Fehler, zumindest über die Möglichkeiten und Potentiale des Einsatzes der Blockchain-Technologie in diesem Bereich nachzudenken.

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