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Von: Marc Weissenborn am 1. Juli 2018 In: Erfolgsfaktoren, Projektmanagement Comments: 0

Vielleicht kommt Ihnen folgende Situation bekannt vor: In Gedanken bereiten Sie bereits den Jahresabschluss vor und überlegen, wie Sie Ihre Mitarbeiter entsprechend einsetzen können. Dann bekommen Sie von Ihrem Vorgesetzten die unmissverständliche so genannte Bitte geäußert, ein Projekt-Team zusammenzustellen, um den Aufbau einer neuen Auslandsfiliale sicherzustellen.

Fachseitige Team-Rollen: Aller Anfang ist leicht

Da Ihr eigenes Team bereits mit anderen Tätigkeiten voll ausgelastet ist, sind Sie gefordert, aus der bestehenden Organisation ein entsprechendes Team zu besetzen. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Projekt Mitglieder aus? Je passender die Team-Rollen zusammengestellt sind, umso erfolgreicher wird das Projekt werden, das ist Ihnen bereits jetzt klar.

Sie stellen nun die naheliegenden Überlegungen an, welche Inhalte abzudecken sind, welches Know-How benötigt wird, etc. Am Ende kommen Sie zu einer Struktur, die zum Beispiel folgende Punkte abdeckt:

  • Architektur
  • Prozesse
  • Testing
  • Anforderungsmanagement
  • Projektoffice

Dies sind alles sinnvolle und notwendige Überlegungen. Dennoch gibt es eine zusätzliche Organisation mit Fähigkeiten welche man ebenfalls sehr sorgfältig für sein Team auswählen sollte, eine Art Schattenorganisation. Natürlich können Sie nicht basierend auf diesen Skills dedizierte zusätzliche Personen einbinden, sich aber bei der Auswahl der oben genannten Punkte gleichzeitig mit überlegen, wie Sie zusätzlich diese Schattenstruktur für Ihr Projekt passend abbilden können.

Neun Team-Rollen in der Übersicht

Im Kern besteht diese Struktur aus neun typischen Team-Rollen; diese Team-Rollen erfüllen alle verschiedene Aufgaben und bilden anders als die fachliche Zusammensetzung auch die verschiedenen Persönlichkeitstypen und -muster ab. Dieser systemische Ansatz sorgt für eine harmonische Komposition im gesamten Team. Im Folgenden stellen wir Ihnen diese Rollen näher vor:

Team-Manager: Der Team-Manager steht im Zentrum des Modells; im wahrsten Sinne des Wortes kennt er die einzelnen Stärken und Schwächen der einzelnen Mitglieder sowohl im persönlichen als auch im fachlichen Bereich und ist dafür da, die einzelnen Charaktere zu koordinieren und zu managen. In der Regel sind diese Charaktere insbesondere dann sehr erfolgreich, wenn sich Team-Mitglieder fragen, wozu man den Team-Manager eigentlich braucht. Tragisch.

Explorer: Der Indiana Jones unter den Team-Mitgliedern zeichnet sich durch seine Leidenschaft für komplexe Probleme aus. Er ist zukunftsorientiert und interessiert sich häufig auch für (vermeintlich) zukunftsweisende Technologien. Er ist ein Problemlöser; dass dabei häufig auch Lösungen für völlig andere Probleme rauskommen, ist dabei nebensächlich. Ein Tipp noch: Kaufen Sie ihm keine Bitcoins ab.

Convincer: Sie kennen ihn. Ein Closer. Raus oder aus. Nicht gekauft hat er schon. Ein „Nein“ ist nur ein nicht formulierter Wunsch. Er begeistert, brennt, ist Feuer und Flamme, liebt vielseitige Arbeit und ist offen für Neues. Er ist begeisterungsfähig und kann ganze Teams mitreißen – für kurze Zeit. Der Begeisterer-Typ kann sich nur selten lange für ein komplexes Problem begeistern und ist der Socializer, der zwar Visitenkarten ohne Ende besorgt, aber gar nicht so genau weiß, was danach eigentlich damit passiert. Ihn sollten Sie also besser nicht die Abschlusskontrolle machen lassen – es sei denn, Sie sind irre schnell in Ihrem Projekt unterwegs.

Developer: Der Entwickler ist das Pendant zum Explorer. Gute Ideen sind toll – welche, die sich umsetzen lassen, noch viel besser. Der Entwickler ist dabei jemand, der gerne experimentiert und danach valide Aussagen darüber treffen kann, ob Ideen praktikabel sind. Konzepte und Projektpläne sind dabei häufig eine Form des Outputs. Unser Tipp: Gerne auch mal in die Projektpläne reingucken, bevor man außerhalb von Zeit und Budget ist.

Consultant: Zu allem eine Meinung, von nichts eine Ahnung. Stimmt nicht ganz. Berater sind Unterstützer und Helfer. Sie greifen dort unter die Arme, wo gerade Hilfe benötigt wird und haben dadurch über ihre eigentliche Fachkenntnis hinaus ein hohes Wissen. Sie sind interessiert und dadurch kenntnisreich. Er lässt sich allerdings auch nicht so wirklich gerne hetzen – also schadet es nicht, schon früh einen gewissen Bedarf anzumelden.

Organizer: Es gibt diese Leute, die ein Thema oder Problem gerne auch noch aus der 400. Perspektive betrachten. Genau das macht der Organisierer nicht. Er führt Entscheidungen herbei, ist dabei ein echter Macher und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Der Organiserer ist dabei durchaus in der Lage, auch Entscheidungssysteme für den Rest des Teams auszuarbeiten und arbeitet dadurch sehr ergebnisorientiert. Entscheidungen nicht nur von Systemen abhängig zu machen, schadet aber natürlich auch nie.

Stabilizer: Kein Team ist ein gutes Team ohne die eine Person, die alles zusammenhält. Bei den Dreharbeiten von den Marvel-Film lädt zum Beispiel Robert Downey Jr. regelmäßig Cast und Crew zum Essen in seine Trailerstadt. Loyalität zum Team, Harmonie bei der Arbeit, ein sicheres Gespür für Recht und Unrecht mit dem Wunsch, eine sinnvolle Arbeit zu verrichten – diese Eigenschaften machen jeden Stabilizer zu einem wichtigen Kompass und Partner für einen guten Team-Manager. Fragen Sie ruhig mal bei der nächsten Mittagspause nach einer Einladung in den Trailerpark.

Controller: Erinnern Sie sich an die Probleme des Convincers? Die hat der Controller nicht. Exakt. Normenorientiert. Überwacher. Detailorientiert. Oder kurz: typisch Deutsch. Der Controller liefert einen wichtigen Beitrag zum Gelingen eines jeden Projekts und sichert in jedem Prozessschritt Qualität und ist der richtige Ansprechpartner, wenn es um formales oder spezifisches Fachwissen geht. Um ihn zu einem aktiven Teil des Teams zu machen, ist eine aktive Ansprache sicherlich hilfreich.

Executer: Niemand ist sich so richtig sicher, ob es beim Meeting ein Ergebnis zu diskutieren gibt? Der Vorstand erwartet aufgrund eines gelieferten Protokolls ein sichtbares Produkt? Das große Stottern beginnt – allerdings nicht beim Durchführer. Er ist praktisch veranlagt, produktionsorientiert, liebe Pläne, Protokolle, Dokumentationen und macht dann einfach. Er schätzt Effizienz. Er rettet Ihre Meetings. Retten Sie ihn vor unnötig langen Meetings.

Wichtig ist bei dieser Form der Kategorisierung, dass natürlich jeder Bereich trennscharf abgrenzbar ist. Häufig ergänzen sich Persönlichkeitsbilder oder gibt es Überschneidungen. Gleichzeitig können Menschen verschiedene Team-Rollen in verschiedenen Teams einnehmen; das hängt zum Beispiel davon, wie sicher sie sich in der Thematik des behandelten Projekts fühlen. Manchmal spielt bspw. auch die Projektsprache oder Besetzung der vorhandenen Team-Rollen durch andere eine wichtige Rolle.

Der Schlüssel ist, am Ende die für sein Projekt spezifische harmonische Komposition dieser Team-Rollen zu besetzen.

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