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Von: Jens Uhl am 6. Februar 2017 In: IT Consulting Comments: 1

IT 2017: Ihre IT-Systeme unterstützen optimal Ihre Geschäftsprozesse, die Fachbereichsanforderungen werden in agilen Teams innerhalb eines Sprints in wenigen Tagen in Produktion gebracht, die IT-Abteilung konzentriert sich auf Applikationsentwicklung und nicht mehr zu großen Teilen auf die Wartung der IT-Infrastruktur, IT-Änderungen werden im laufenden Betrieb untertägig in Produktion gebracht, die Betriebskosten sind auf einem historischen Tiefpunkt angelangt, im Controlling knallen die Sektkorken, die Sonne scheint überall.

Wenn Sie diesen Zustand mit Ihrer IT bereits erreicht haben, brauchen Sie ab hier nicht weiterlesen. Ansonsten lade ich Sie ein, ein wenig darüber zu reflektieren wohin die Reise Ihrer IT gehen kann und was „die Cloud“ damit zu tun hat. Das kann ggf. auch nützlich für die anstehende IT-Strategie-Tagung sein, die bei vielen Firmen zu Jahresanfang ins Haus steht.

In vielen Unternehmen ist die IT leider nicht in oben beschriebenem Zustand der agilen Änderbarkeit, sondern sehr schwer beweglich, teils unbeweglich geworden: die Umsetzung von Fachbereichsanforderungen dauert aufgrund wasserfallartiger Umsetzungsprozesse mit Farshore-Lieferketten mehr als zwölf Monate, die betriebsfähige Bereitstellung von Servern ist nicht unter drei Monaten zu bekommen, ein Großteil des IT-Budgets muss in Betrieb und Support von Anwendungen gesteckt werden, die mit heterogenen Technologiestacks arbeiten, die teils 30 Jahre auf dem Buckel haben.

Die IT-Infrastruktur sieht aus wie ein Streichelzoo: große Artenvielfalt, viele Pfleger, jedes Tier ist noch per Namen bekannt und wird in persönlicher Betreuung gehegt und gepflegt – jeden Tag viel Mist, der manuell weggebracht wird. Nicht selten sind hier und da noch Dinosaurierpopulationen zu finden, die immer älter werden, aber leider immer weniger Menschen, die sich mit ihnen auskennen. Dem Pflegenotstand wird mit immer neuen Prozessen versucht zu begegnen, der Aufwand zur Arterhaltung wird von Jahr zu Jahr größer.

Doch was können wir tun, um aus diesem Dilemma zu entkommen? Die Antwort „Cloud“ ist hier für viele noch zu abstrakt. Aber es lohnt sich, einen Blick auf die technologischen Errungenschaften und auch auf die Methoden zu werfen, die die seit Jahren erfolgreichen Cloud-Betreiber nutzen. Der Schlüssel zum Erfolg ist hier eine

  • konsequente Standardisierung und
  • Automatisierung aller Prozesse,

die zur Bereitstellung von IT-Infrastruktur und Applikationen verwendet werden, sowie dem möglichst wertschöpfenden Einsatz der IT-Mitarbeiter.

IT-Applikationsmanagement

„Software is eating the world“ hat Marc Andreessen bereits 2011 festgestellt: es gibt kaum eine Branche, die nicht durch den digitalen Wandel umgebrochen wird. Die Fähigkeit, seine Software (also die Applikationen) im Griff zu haben und diese schnell (innerhalb von Tagen bis maximal wenigen Wochen) von der Anforderung bis zum Einsatz vor Kunde ändern zu können, wird ein wettbewerbsdifferenzierendes Merkmal. Falls Sie der Meinung sind, dass genau Ihre Branche oder Ihre Firma oder Ihre Abteilung (sic!) davon nicht betroffen ist: seien Sie sich nicht zu sicher! Der Technologiefortschritt und der Preisverfall der Rechenleistung – nicht zuletzt durch die automatisierte Bereitstellung cloudbasierter Infrastruktur – ermöglichen heute Applikationen, die vor Jahren noch undenkbar waren oder nur mit unwirtschaftlich hohem Aufwand zu realisieren gewesen wären. Für Tätigkeiten, die bisher von „Sachbearbeitern“ erledigt werden, gibt es Deep-Learning-Lösungen, die von einfachen wiederholbaren Sachbearbeiteraufgaben bis hin zu anspruchsvollen komplexen Analyse- und Entscheidungsanwendungsfällen den Menschen von Büro-Routinearbeiten entlasten oder gar ersetzen.

Big Data: das Verarbeiten großer Datenmengen ist kein Problem mehr – mit Cloud-Infrastruktur steht ein Mittel zur Verfügung, mit dem man sich nach Bedarf Verarbeitungsressourcen holt und zu sehr günstigen Preisen nach Verbrauch bezahlt. Aus Anwendungssicht gibt es hier noch enorm viel ungenutztes Potential: z.B. können Sie mit den täglich anfallenden Daten Ihrer Produktionsressourcen und Predictive Analytics-Ansätzen wertvolle Rückschlüsse auf  anstehende Wartungsereignisse gezogen werden, welche die Maschinenausfallzeiten reduzieren.

Für mehr und mehr Anwendungsfälle wird der Einsatz cloudbasierter IT-Verfahren zum Erfolgsfaktor und die IT hat hier eine wesentliche Rolle, um zum Geschäftserfolg beizutragen. Insofern ist man gut aufgestellt, wenn das Applikationsmanagement so ausgerichtet ist, dass es neben den klassischen Anwendungen zur Stammdaten- und Auftragsverarbeitung auch in der Lage ist, neue cloudbasierte IT-Anwendungen zu betreiben und in die bestehende Landschaft zu integrieren, mit denen man das Potential neuer Verarbeitungsmethoden wie oben beschrieben voll ausschöpfen kann. Voraussetzung hierfür sind eine dazu passende IT-Infrastruktur und die passenden Menschen, welche die IT-Prozesse gemäß der Taktung der Anforderungen aus dem Geschäftsbereich richtig gestalten.

IT-Infrastrukturmanagement

Die kostengünstige Bereitstellung und Betreuung von IT-Infrastruktur ist eine Fähigkeit, die nur wenige Unternehmen wirklich gut beherrschen. Zu viele Aspekte muss man hierfür echt gut beherrschen, insbesondere auch die sicherheitskritischen. Vor einiger Zeit war es noch normal, dass Server im Keller oder unter dem Schreibtisch betrieben wurden. Durch den zentralisierten Betrieb in Rechenzentren (oder Neudeutsch Data Centers) hat man hier eine zunehmende Professionalisierung des Betriebs erreicht. Entweder im eigenen Rechenzentrum oder einem fremden. Leider aber oft noch mit den althergebrachten Mitteln: neue Server werden manuell installiert, es gibt keine einheitlichen standardisierten Prozesse – jeder Technologiestack wird von einer anderen Abteilung betreut. Wer bereits durchgängig mit Server-Virtualisierung arbeitet, ist hier schon am oberen Ende der Reifegradskala und kann sich glücklich schätzen.

Standard in cloudbasierten Data Centers ist die nahezu vollständige Standardisierung und Automatisierung der Bereitstellung, des Betriebs und der Aktualisierung der betrieblichen IT-Ressourcen (IaaS – Infrastructure as a Service). Die Nutzer der IT-Infrastruktur klicken sich „in Selbstbedienung“ über einfach zu bedienende Portallösungen ihre benötigte Infrastruktur zusammen oder erzeugen per Skript mit containerbasierten Lösungen wie Docker automatisiert Instanzen Ihrer Anwendungen und Infrastruktur. Und dass ohne jemals ein Formular auszufüllen oder unzählige Telefonate zu führen, um Rechnernamen, IP-Adressen, Firewallfreischaltungen usw. zusammentragen zu müssen.

Derzeitiger Gipfel der Entwicklung ist die Standardisierung des Betriebs von Applikationen mit CloudFoundry (PaaS – Plattform as a Service), das seit mehreren Jahren eine Erfolgsspur hinter sich herzieht, wie es damals Linux als OpenSource-Lösung auf Betriebssystemebene hatte. Durch den Einsatz von CloudFoundry-basierter betrieblicher Infrastruktur wird es den Entwicklern und Betreibern von Applikationen denkbar leichtgemacht, ihre Anwendungen schnell zu erstellen, leicht in Betrieb zu bringen und ebenso leicht wieder zu ändern. So leicht, dass selbst die großen Cloud-Betreiber wie Google oder Microsoft sich hier öffnen und ihre Cloud-Infrastruktur kompatibel gestalten.

An dieser Stelle sollten Sie sich fragen, wie viele Mitarbeiter in Ihrer IT sich täglich damit beschäftigen, IT-Infrastruktur manuell zu hegen und zu pflegen und um wie viel besser diese Menschen eingesetzt werden können, wenn sie all die wiederkehrenden Standardaufgaben der IT-Bereitstellung durch automatisierte und cloudbasierte Lösungen erledigen könnten.

IT-People-Management

Die IT wird in immer mehr Branchen zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für die Umsetzung geschäftlicher Ziele, d.h. dass nur mit den richtigen IT-Mitarbeitern ein Unternehmen dauerhaft Erfolg haben wird. Auf der anderen Seite wird oft ein „Fachkräftemangel“ beklagt: man findet keine IT-Mitarbeiter oder nicht die passenden. An dieser Stelle fehlt teils ein Wille zur Selbstreflektion: Ist die IT meines Unternehmens denn attraktiv genug für neue Mitarbeiter?  Und oft geht darüber hinaus der Blick auf die eigenen IT-Mitarbeiter verloren, die seit Jahren im Betrieb tätig sind und neben der IT oft auch die Fachlichkeit der Anwendungen besser kennen als die Fachabteilungen. Dazu leiden viele IT-Abteilungen auch an mangelnder Wertschätzung durch die Fachbereiche, deren Anforderungen sie umsetzen sollen – aber leider viel zu viel Zeit mit Support und Betrieb aufwenden und „das Neue“ dann oft mit Prio B behandelt wird. Doch wie kann man diesem Pflegenotstand begegnen? Wie kann die IT wieder beweglicher und handlungsfähiger werden? Das geht nur mit den Menschen und ihrem möglichst effektiven Einsatz und täglichen Erfolgserlebnissen. Also der Entlastung von manuellen Tätigkeiten, die im Brain-off-Modus durchführbar sind, durch automatisierte Prozesse und Verfahren. Der zeitnahen Umsetzung von Anforderungen und den daraus sich ergebenden kurzen Feedback-Zyklen. Was könnte die IT-Abteilung leisten, wenn konsequent auf cloudbasierte Standardisierung und Automatisierung der IT-Services gesetzt wird? Es gäbe dann fast nur noch interessante Aufgaben, um die sich die IT-Mitarbeiter kümmern können. Das macht Ihre IT wieder agil und schlagkräftig und für die bestehenden und neuen Mitarbeiter wesentlich attraktiver.

IT 2017 – wo steht Ihre IT? Nutzen Sie bereits das volle Potential cloudbasierter Technologien und agiler Umsetzungsmethoden? Setzen Sie Ihre IT-Mitarbeiter bestmöglich wertschöpfend ein?

NOVEDAS begleitet Unternehmen seit fast 20 Jahren in Veränderungsprozessen und Change-Management. Wir haben keine vorgefertigten Lösungen für Probleme, sondern helfen bei der gemeinsamen Lösungsfindung zu existierenden Herausforderungen und begleitet den Umsetzungs- und Anpassungsprozess. Um die Ansprüche und Erwartungen ihrer Kunden zu erfüllen, bedient sich NOVEDAS Consulting einer eigenentwickelten, software-unterstützten Methodik, dem 360° IT Readiness Check.

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